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Glasperlen drehen, die ersten Schritte

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Um die kalte Winterszeit zu überbrücken und um den Schmuck mit selbstgefertigten Perlen zu bereichern, haben wir diesen Winter mit dem Perlendrehen angefangen.

... hier noch am Kartuschenbrenner - und JA, ich höre auch sehr gerne ZZ Top ;-)Angefangen mit einem kleinen. vorhandenem Lötbrenner bin ich schnell auf einen etwas größeren Kartuschenbrenner von Rothenberger umgestiegen. Die hier verwendeten, schraubbaren Kartuschen enthalten einen höheren Propangas-Anteil und sollen ein wenig sauberer brennen als solche mit Butangas (Campinggas). Mit diesem Brenner erreicht man Höchst-Temperaturen von ca. 1800°C.
Prinzipiell ist die Technik des Perlendrehens recht einfach. Man nimmt einen Dorn, bei mir Edelstahlstäbe von 3mm Dicke, und taucht diese in ein Trennmittel, so dass die ersten 3-4cm des Dorns umgeben sind. Anschließend muss dieses Trennmittel mindestens 2 Stunden lang trocknen. Es gibt auch Trennmittel, welches in der Flamme getrocknet werden kann, diese habe ich aber noch nicht getestet.
Nachdem man einige Dorne so vorbereitet hat, wird's warm, der Gasbrenner kann gezündet werden. Die Dorne werden an der Seite mit dem Trennmittel erhitzt, damit sie sich dort ausdehnen. Gleichzeitig kann man die Glasstäbe im hinteren Bereich der Flamme erwärmen. Die Glasstäbe dürfen nicht sofort in den heißen Punkt der Flamme gehalten werden, sonst zerspringen sie sofort. Nachdem das Glas erwärmt ist, wird es in den vorderen, heißen Bereich der Flamme gehalten, wo es nach einiger Zeit zu Glühen anfängt und zähflüssig wird. Nun kann man das zähflüsige Glas auf das Trennmittel (um den Dorn) tupfen und den Dorn drehen, sodass sich das zähflüssige Glas um den Dorn legt.
Keine Panik, wenn die Masse anfangs nicht schön rund aussieht. Nachdem genug Glas auf den Dorn gebracht wurde, nimmt man den Glasstab aus der Flamme und legt ihn auf eine feuerfeste(!) Unterlage. Der Dorn mit der Glasmasse wird weiterhin in der Flamme gedreht, bis die Perle (hoffentlich) eine Runde Form annimmt. Anfangs kommt es häufuger vor, dass die Perle zwar rund wird, aber nicht zentriert auf dem Dorn sitzt. Da kann meist nichts machen außer weiter zu drehen und hoffen, andererseits gehört sowas zum Handwerk.
Nachdem die Perle fertig ist, wird sie im hinteren Teil oder oberhalb der Flamme abgekühlt, bis sie nicht mehr glüht. Danach wird sie in einem feuerfesten Topf mit Vermiculte gesteckt. Die Perle muss dabei im Substrat stecken, da dieses gut isoliert und die Perle somit nicht zu schnell abkühlt. Nach einer Stunde können die fertigen Perlen aus dem Substrat geholt werden und von Dorn gezogen werden. Dafür kann man diese einige Zeit in Wasser legen, so soll sich das Trennmittel wieder lösen. Ich schieb' die Perlen meist mit einem Stück Holz und etwas Druck vom Dorn.

Am Kartuschenbrenner verändern sich einige Farben, dies geschieht wahrscheinlich durch Reduktion, d.h. durch eine sauerstoffarme Flamme. Dies kann man evtl. Vermeiden wenn man die Perlen weiter hinten in der Flamme dreht, allerdings ist die Flamme dort auch nicht mehr so heiß und der Vorgang dauert länger. Ein leuchtendendes Apfelgrün änderte seine Farbe z.B. in einen Braunton, während ein ähnlicher, hellerer Grünton problemlos zu verarbeiten war.
Verschiedene kräftige blaue Farbtöne dunkelten alle nach, evtl. liegt das aber auch an der unsauberen Flamme, die evtl. rußt. Bei zwei dieser Perlen, die leider platzten, war der original Farbton im inneren der Perle noch erhalten.
Gute Erfahrungen hab' ich inzwischen mit transparenten Blautönen gemacht, diese behielten durchgehend ihre Farbe.

Inzwischen hab' ich mir einen neuen Brenner zugelegt. Dieser wird mit einer 5kg-Flasche Propangas betrieben. Die Vorteile sind der höhere, konstante Druck, die Nutzung (fast) reinen Propangases und vor allem der Preis. Im Vergleich hier mal die Kosten:

  • Kartuschenbrenner ca. 20€ - 25€, Kartusche mit 300gr Gasmischung knapp 5€
  • (Eingas-)Brenner mit Schlauch ab 60€ und 5kg Flasche ab 35€, 5kg Propangasfüllung 8€-10€

Da der größere Brenner einen etwas höheren Verbrauch hat, ist man nach dem Verbrauch von ca. 15 Kartuschen, entspricht ca. 25-30 Stunden, beim gleichen Preis. Danach ist der Betrieb eines Kartuschenbrenner wesentlich teurer.

Hier noch einige Tipps, die man beim Perlendrehen beachten sollte:

  • Für gute Belüftung sorgen, ggf. Abzugsanlage nutzen
  • Nicht im Kelller betreiben, da die Abgase zu Boden sinken und sich sammeln
  • Vor dem Brenner eine feuerfeste Unterlage benutzen
  • Hinter der Flamme muss genügend Abstand zu brennbaren Materialien vorhanden sein
  • Schutzbrille benutzen, zum einen wegen evtl. Glassplitter, zum anderen wegen der Farbe der Flamme (eine Schweißebrille nützt hier nichts)
  • Sichere Ablage für die benutzten, heißen Glasstäbe auf der feuerfesten Ablagen nutzen
  • Für Gasflaschen immer einen Druckminderer nutzen
  • Zum Formen der Perlen (Walzen, Quader, ...) eignen sich Graphitpaddel/Graphitplatten recht gut, da das Glas hieran nicht haftet
  • Edelstahlwerkzeuge, z.b. aus dem Dentallabor eignen sich ebenfalls zum Formen, allerdings müssen diese zwischendurch in Wasser gekühlt werden. Hat das Metall annähernd die Temperatur des Glases, bleibt dieses am Werkzeig "kleben"

 Langfristig ist es geplant Perlen am Holzkohleofen zu brennen, bis dahin muss aber wohl noch ein bischen geübt werden.



Glasperlen drehen, die ersten Schritte - Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 31. August 2011 um 19:21 Uhr